Aus gegebenem Anlass – ja liebes ZDF es geht um euch – , stelle ich hier Zitate meiner Hausarbeit zum Thema Blackface und Rassismus in Deutschland online.. because I can’t. I just can’t with people’s bullshit.  (Danke an Nadia für’s Sammeln).
In der Arbeit selbst geht es um die Kritik am Schlosspark Theater in Berlin. Mehr Info und wie das alles angefangen hat dazu findet ihr bei http://buehnenwatch.com 

Während sich die weiße Mehrheitsgesellschaft in Deutschland meist als anti-rassistisch versteht und immer wieder schockiert ist von einzelnen, rassistisch motivierten Straftaten, sind Rassismus, rassistische Bilder und Ausdrucksformen in diesem Land Alltag für Schwarze Menschen und andere People of Color . Werden jedoch weiße Menschen mit dieser Realität konfrontiert – meist in dem ihnen selber rassistisches Handeln oder rassis- tische Sprache vorgeworfen wird – lassen sich sehr gut bestimmte Abwehrmuster erkennen.

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Auf die daraufhin öffentlich geäußerte Kritik von sowohl PoC, wie auch weißen Menschen, dass es sich bei dieser Methode um blackfacing und somit um ein rassistisches Mittel handelt und die Frage warum kein Schwarzer Schauspieler für das Stück engagiert wurde, reagierte das Theater abweisend und berief sich im Wesentlichen auf folgende Argumente:

– Eine lange Tradition des Schwarzmalens an deutschsprachigen Theatern – Zu wenige Schwarze Schauspieler_innen, bzw. zu wenig Rollen für Schwarze Schauspieler_innen
– Das Stück und man selbst seien anti-rassistisch
– Die Freiheit der Kunst
– Die Definition von Rassismus die von den Kritiker_innen geäußert wird, ist nicht allgemeingültig

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Bereits hier wird sichtbar, dass es keinesfalls nur um die Verwendung von Blackface und die Besetzungspolitik an deutsch(sprachig)en Theatern, sowie die damit verbundene Darstellung von Schwarzen Menschen auf den deutschen Bühnen geht, sondern vielmehr um Macht(erhalt) und die Deutunsghoheit über (Bild-)Sprache.

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Doch während die US-amerikanische Tradition inzwischen weltweit und mehrheitlich als rassistisch anerkannt ist und abgelehnt wird, wird in Deutschland Blackface als Stilmittel weiterhin unreflektiert und unhinterfragt genutzt und eben so vehement verteidigt. Dabei ging und geht es bei diesem Mittel auch hierzulande zumeist um die Sichtbarmachung des Fremden und die Abgrenzung zum Selben, beruhend auf den rasisstisch konnotoierten Bildern der weißen Theatermacher. Diese Bilder sind keineswegs authentisch jedoch vorherrschend in der weißen Mehrheitsgesellschaft Deutschlands und historisch tief verwurzelt. Sie finden sich nicht nur in der Methode des Blackface wieder, sondern auch in der allgemeinen Darstellung von Schwarzen Menschen in Theater, Film und Fernsehen.

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In den seltensten Fällen werden Schwarze Menschen in Alltagssituationen und -berufen dargestellt. Oft sind sie Geflüchtete, Kriminelle, Ausländer_innen, fast nie Ärzt_innen, Anwälte, Lehrer_innen, d.h. die Lebensrealität von Schwarzen Menschen wird ignoriert. Die Norm wird weiß gehalten in- dem gezeigt und verfestigt wird, was die Mehrheitsgesellschaft in den letz- ten Jahrhunderten verinnerlicht hat.

Bis heute gelten Schwarze Menschen gemeinhin als Nicht-Deutsch – unabhängig davon, wo sie tatsächlich herkommen – und verkörpern eine Art „Prototyp des Ausländers“: exotisch, bedrohlich und auf jeden Fall nicht von „hier“.

Rassismus wird in Deutschland immer noch hauptsächlich mit Äußerungen, Straftaten und Denkweisen von Anhänger der rechten Szene in Verbindung gebracht und als individuelle Einzelfälle gehandhabt.

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Dadurch wird eine Auseinandersetzung mit eigenen Rassismen aus dem Weg gegangen und es wird ausgeblendet, dass man kein_e Rassist_in sein muss um rassistisch zu handeln. Mit anderen Worten: sich als anti- rassistisch verstehen schließt nicht automatisch aus, dass man als Weiß e_r seine verinnerlichten Rassismen und Privilegien plötzlich ablegt. Gen- auso wenig wird eine Tat oder Aussage weniger rassistisch, wenn der Aus- führende sie nicht rassistisch gemeint hat. Es gibt an dieser Stelle bei der Mehrheitsgesellschaft tatsächlich ein falsches Verständnis von dem was  Rassismus ist. Wird dieses Verständnis hinterfragt, wird die Frage um die Definition des Begriffes, schnell zu einer Machtfrage.

Es geht nicht an, dass Bürger und auch die Kunst gezwungen werden sollen, eine Definition des Rassismus anzunehmen, die von einer Gruppe von Menschen im Internet als allgemeingültig und ausschließlich behauptet wird. Die abwegige Schlussfolgerung, wer diese Definition nicht zustimme, sei Rassist, widerspricht demokratischen Grundsätzen und der Freiheit in der Kunst

An dieser Stelle wird der Wunsch alles sagen und tun zu dürfen, ohne dafür kritisiert zu werden, gleichgesetzt mit künstlerischer Freiheit. Man geht sogar soweit, die Kritik von Betroffenen und ihren Unterstützern als Angriff auf diese Freiheit zu sehen und versucht damit eine Opfer-Täter Umkehrung zu vollziehen anstatt sich mit der „neuen“ Definition auseinanderzusetzen. Würde man das tun müsste man zugeben, dass man nicht nur rassistisch handelt sondern davon auch noch profitiert.

Literatur- und Quellenverzeichnis

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Bauer, Jürgen: Blackface ist nicht gleich Blackface, Wien 2012, http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id= 6619:die-blackfacing-debatte-ii-worueber-wir-reden-wenn-wir-ueber-qblac kfaceq-reden&catid=101:debatte&Itemid=84

Bühnenwatch Blog: http://www.buehnenwatch.com

Cherrat, Nisma: Mätresse – Wahnsinnige – Hure: Schwarze Schauspieler- Innen am Deutschsprachigen Theater in M.M. Eggers, G. Kilomba, P.Piesche, S.Arndt (Hrsg.), Mythen, Masken & Subjekte, Münster 2009.

Messerschmidt, Astrid: Distanzierungsmuster. Vier Praktiken im Umgang mit Rassimus. In: Broden: Rassismus bildet. Bildungswissenschaftliche Beiträge zu Normalisierung und Subjektivierung in der Migrationsgesell- schaft, S. 41-57.

Piesche, Peggy: Irgendwo ist immer Afrika… – „Blackface“ in DEFA-Fil- men, Bundeszentrale für politische Bildung 2004 http://www.bpb.de/themen/QIUTVK,0,0,Irgendwo_ist_immer_Afrika__.html

Schmidt, Ulf: Die Kunst der Unterschiede http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=6615:die-blackfacing-debatte-oder-das-politische-im-aesthetischen&catid= 101:debatte&Itemid=84

Wipplinger, Jonathan: The Racial Ruse: Blackness and Blackface Comedy in fin-de-siècle Germany in American Association of Teachers of German (Hrsg.): the Germany Quarterly 84.4, Fall 2011

Wollrad, Eske: Weißsein im Widerspruch – Feministische Perspektiven auf Rassismus, Kultur und Religion, Königstein/ Taunus 2005

Die komplette Arbeit mit Fussnoten und Bildchen und_oder der Erlaubnis sie zitieren zu dürfen gibt’s bei mir.

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