Ich habe mich von meinem Freund getrennt. Ich habe mich von einer 3-jährigen Beziehung verabschiedet, weil ich nicht mehr Freundin sein wollte. Das ist neu für mich.

Ich dachte lange, ich bräuchte nur eine kleine funktionierende Familie – einen Mann und ein Kind und einen Job (Hausfrau wollt ich nie sein) – und dann wäre ich glücklich… ich hab lange und oft verzweifelt gesucht und vor 3 Jahren dachte ich, ich hätte es gefunden, es müsste zwar noch ein bißchen ausgearbeitet werden, aber es fühlte sich ganz gut an… bis auf dies und jenes und hier ein meh und da ein blah…  ich hatte Verlustängste, Panikattacken, eine depressive Phase … er blieb bei mir und ich schaffte es wieder auf die Beine, nur merkte ich, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun … ich fing an mich mehr mit mir auseinander zusetzen, erst mal kritisch mit meinem Weißsein und meinen verinnerlichten Rassismen, das war.. nun, ja .. kurz gesagt: krass. und ist ein andauernder Prozess. Aber es machte mich aktiv, ich lernte viele neue Leute und Ideen kennen, ich wurde radikaler und seit kurzem nenne ich mich Feministin, auch das ist ein andauernder Prozess. Ich machte mir bewusst, dass ich nicht nur „auch Frauen“ attraktiv fand sondern tatsächlich pan-sexuell war, ein Wort, was vorher gar nicht zu meinem Wortschatz gehörte. Ich hab mit vielen Menschen gesprochen, nur mit ihm konnte ich nicht darüber reden. Da war schon eine Lücke, ich einige Schritte weiter als er, oder einfach woanders abgebogen.

Da wo ich lebte, war ich relativ abgeschnitten von den tollen Leuten also bestand der Kontakt vor allem über das Internet, ich bekam Heimweh, wollte mein Netzwerk in der analogen Welt treffen. Ich beschloss zurück zu ziehen nach Berlin. Er kam mit. An dem Punkt war ich schon gar nicht mehr so sicher ob ich das noch wollte, aber hey .. vielleicht wird in Berlin ja alles besser, vielleicht kann ich ihn mitziehen, vielleicht wenn er sich öffnet, dann kann ich mich ihm öffnen… aber so funktionierte es nicht. Mir ging es zwar tatsächlich besser, ich atmete auf und fühlte wie eingesperrt ich in der Beziehung war: Ich diskutierte viel mit einer Freundin über Beziehungsformen ausserhalb der Norm und beschloss etwas zu ändern. Für die Beziehung hieß es das aus….

Jetzt bin ich also wieder Single und das erste mal ganz bewusst, weil. ich. es. so. will. …und ich will jetzt noch mehr: mehr tolle Leute, mehr Gespräche, mehr mind sex, mehr Sex, mehr ich, mehr …. geht nicht.

Ich bin Mutter und so toll diese ganzen (für mich) neuen Ideen sind; wie setzt frau sie um mit kind? Es tun sich so viele Fragen auf  die ich gar nicht alle formuliert bekomme: Wie schaffe ich die Gratwanderung zwischen sein und Mutter sein? Ich kann mich dafür entscheiden, dass es mir egal ist, was Menschen von mir denken aber welche Auswirkungen hat das auf mein Kind? Dinge, über die ich monatelang nachdenke, kann ich dem kind nicht einfach überstülpen. Ich habe ihr in den letzten 7 Jahren schon so viel Heteronormativität vorgelebt, wie kriege ich jetzt die Kurve, wenn ich doch selber noch so viele Fragen habe? Wie schaffe ich es, dass sie das tolle mitbekommt aber nicht den Sex? und wie komme ich gegen den sozialen Druck an, der außerhalb meiner bubble und innerhalb ihrer peer group herrscht? So schlau sie auch ist, ich kann und will sie nicht immer in alles mit einbeziehen, d.h. ich bin angewiesen auf die Unterstützung von anderen und gebe dadurch immer ein Stück meiner Privatsphäre ab. Sei es ob ich das kind woanders unterbringe oder ich Menschen zu uns nach Hause einlade/ in unser zuhause lasse… Ich muss oft abwägen ob ich Menschen in die jeweils andere „Welt“, mit der sie ggf. gar nichts zu tun haben, reinlasse(n kann) oder mich vielleicht sogar verstellen muss (auch wenn das jetzt vielleicht dramatischer klingt als es ist) um mich und das kind zu schützen. Manchmal passiert es einfach… was dann? und was bitte mache ich gegen das schlechte Gewissen, wenn ich mal keine Lust habe auf Muttersein? ….

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