Das Kind ist Teil einer Clique in der es praktisch täglich Stress gibt. Besonders ein Kind (zumindest ist es der Name, der am häufigsten fällt bei Beschwerden der Kinder) schafft es die anderen immer wieder untereinander und gegeneinander aufzuhetzenbringen. Leittragende sind meistens die jüngeren und oft endet es in Tränen. Das geht Reih um und die, die gestern noch Betroffene waren, werden wieder zu (Mit-)täter_innen. Die Kinder sprechen z.T. selbst schon von Mobbing.

Ich beobachte das jetzt schon eine ganze Weile kritisch und war mir nicht ganz sicher wie ernst ich es nehmen soll, weil Streitereien zwischen Kindern nunmal nichts ungewöhnliches sind und ich festgestellt habe, dass sie ihre Angelegenheiten ganz gut alleine regeln können. Meistens gibt es eher mehr Stress wenn Erwachsene sich einmischen. Aber vorgestern habe ich zum ersten Mal live erlebt wie so etwas abläuft. Innerhalb von Minuten schlägt die Stimmung um und ein Kind was gerade noch mitspielte wird geschnitten. Diesmal war das Kind wieder dran. Ich stand etwas abseits mit einer anderen Mutter, Kind sah, dass ich verstanden hatte was passiert war. Ich schnappte sie mir und wir verließen das Geschehen kommentarlos. Auf dem Weg nach Hause sprachen wir. Es war nicht das erste Mal, dass das Thema war: Freund_innenschaft, Vertrauen, Wut, Enttäuschung. Die zwei Kinder mit denen ich schon gesprochen habe, haben ziemlich genau auf dem Schirm was passiert und was falsch läuft, trotzdem scheinen sie so sehr in der Dynamik drinzustecken, dass sie es nicht rausschaffen …und ich weiß nicht genau ob und, wenn ja wie, ich dem sinnvoll begegnen kann…  Alles was ich bis jetzt so gesagt habe in diesen Gesprächen, scheint mir nicht richtig oder nicht genug, greift die Situation nicht. Gehört das zum Älter werden dazu? und für mich zum Loslassen?

Ich fragte das Kind ob ich mal mit der Lehrerin sprechen solle, obwohl mir das ebenfalls Bauchschmerzen macht, weil ich weiß, dass die Lehrerin das ganz anders angehen wird als ich (Stichworte: Temperament, Zickenkrieg etc.). Allerdings habe ich allgemein wenig Vertrauen in Lehrer_innen… Am nächsten morgen bestand das Kind darauf dass ich diesen Vorschlag einlöse. Also stand ich auf dem Schulhof, abseits, um dann mit hochzugehen und verpetzte tatsächlich ein Kind. Ich ging nach Hause und fühlte mich schlecht… vor allem wohl, weil ich mich einmischte. Als ich das Kind nachmittags abholte, waren alle wieder Freund_innen und die Lehrerin hatte mit ihnen gesprochen (was gesagt wurde, hat Kind mir noch nicht erzählt). Nur: so ist es immer. Alles ist gut, bis es wieder Stress gibt, das kann ein paar Stunden oder einen Tag dauern … und ich bin ratlos.

Es erschreckt mich immer wieder wie hart Kinder zu einander sind, obwohl ich das eigentlich noch aus meiner Schulzeit kenne und ich frage mich ob es noch härter geworden ist. Die Beschimpfungen und Themen erscheinen mir  gerade noch viel krasser, gehen viel eher an die Substanz …und das Kind ist mitten drin. Mal Opfer, mal Täterin und ich höre mich sagen: „Du selbst bestimmst mit wem du befreundet bist und mit wem nicht, ist ja dein leben nicht das von xyz“ und weiß, dass das irgendwie auch gelogen ist.

 

 

Share: