Ich bin müde. Die letzten Monate waren anstrengend. So viele verschiedene Gefühle aufeinander, nebeneinander, ineinander, hintereinander… durcheinander. Etwas loslassen und gleich woanders festhalten. Ich wiederhole mich, drehe mich im Kreis .. 1 Schritt vor, 2 zurück und das alles in einem Tempo mit dem ich nicht mehr mitkomme:

Schon wieder ein Mann in meinem Leben. Ein toller Mann, einer, den ich innerhalb kürzester Zeit sehr lieb gewonnen habe und dem ich vertraue. Der total verliebt in mich ist, mir hilft, mich wirklich unterstützt. Der mir jederzeit den Raum, den ich brauche eingestehen würde, ich müsste es nur sagen manchmal muss ich es nicht mal sagen. Es fühlt sich toll an und ich möchte es genießen aber. es. ist. zu. viel… zu viel Mann? und.. wenn ich allein bin kann ich trotzdem nicht schlafen. Verhaltensmuster? ja klar, aber zu einfach. Es kämpfen endlich erfüllte gegen unerfüllte Sehnsüchte.

z.B. wünsche ich mir noch mehr Frauen* in meinem Leben, in meiner real life filter bubble, meinem safe space, meiner Wohnung. Erschreckend ist das besonders wenn ich bedenke, dass ich eigentlich gar keine männlichen* Freunde habe, dafür Männer aber ständig und immer und überall präsent und Thema sind. Ich denke immer öfter daran wie unglaublich wohl ich mich fühlte auf FLT* Veranstaltungen , z.B. der safe space flausch party, zu der ich vor kurzem eingeladen war. Die Fragen und Gedanken, die dort formuliert wurden, für die ich so noch keine Worte hatte, schwirren täglich in meinem Kopf rum:

Die Frage wie und mit wem ich künftig welche Art von Beziehungen führen will.
Für wen ich wieviel Verantwortung übernehmen kann.
Mit wem ich mein Leben teile und wieviel Zeit ich für mich brauche.
Welche Beziehung wie wann wo Priorität hat.
Wo Freund_innenschaft anfängt, aufhört und was danach kommt.
Welche Erwartungen ich an wen stelle.
Wie möchte ich mich positioniere und gelesen werden.
Wie ich möglichst wenig verletze und selbst verletzt werde.

Ich frage mich ob sich das alles vereinbaren lässt oder es Wunschdenken ist und ich mich einfach nur vor einer klaren Entscheidung drücke. Beziehungsstatus: unklar.

Lesetipp dazu, weil enthält ein ganzes Kapitel über genau diese Fragen: Leah Bretz, Nadine Lantzsch: Quer_Feminismus, März 2013, Unrast Verlag

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