Vor zwei Nächten hatte ich einen Alptraum.

Das Kind und ich waren in einem Haus zusammen mit anderen Aktivist_innen. Es war dunkel und die Stimmnung war angespannt und unruhig. Dann wurden die Fenster eingeworfen, irgendwo war auch Feuer. Ich wachte auf, als ich gerade versuchte mein Kind zu wecken um es vor einer Gruppe Menschen in Sicherheit zu bringen … 

Den ganzen Nachmittag und Abend zuvor hatte ich mit großer Sorge verfolgt was sich in Marzahn-Hellersdorf und in Duisburg abspielte und habe seit dem nicht aufgehört zu beobachten und nachzudenken. Icb beobachte die Reaktionen der Politik und Medien. Sehe, dass von Nazis anstatt Anwohner_innen gesprochen wird, von Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass anstatt von Rassismus, lese das Politiker_innen nicht gewillt sind was zu tun und im gleichen Satz in dem sie die Taten scheinbar verurteilen weiter gegen die Geflüchteten hetzen. Rostock-Lichtenhagen ist 21 Jahre her, letztes Jahr wurde eine Eiche gepflanzt gegen das Vergessen und einen Tag später war alles wieder vergessen. Europa schottet seine Grenzen nach aussen hin ab. Die NSU Morde werden kleingeredet und die wahren Ausmasse vertuscht… und das sind nur die großen Fälle (und noch nicht mal alle), die es an die Öffentlichkeit schaffen. Hinzukommen die alltäglichen Dinge, die Meinungen, die Blicke.  Ich höre meine Oma und Menschen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die immer noch von Ausländern sprechen, wenn sie Menschen meinen, die nicht in ihr weißes Bild von Deutschland passen und wie der Blick dabei auch immer wieder auf das Kind fällt.  und es macht mir Angst. Es weckt das Bedürfnis, die Koffer zu packen und zu gehen. War es schon immer so schlimm und ich hatte erst keine Ahnung und dann mehr Kraft als jetzt? Muss ich mein Kind besser beschützen? Wie?
Natürlich sehe ich auch die Menschen, die sich trotz aller Hürden dem entgegenstellen, kämpfen, erklären, verprügeln lassen von der Polizei… aber reicht das? Sind „wir“ genug?  Ist es zu schaffen?

Meine Wut wächst und noch fühle ich mich hilflos und starr……….

aber die Hoffnung aufgeben kann ich nicht. niemals.

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