„Also ich bin nicht der Typ der fremdgeht aber wenn ich mal ne Freundin habe und du hier allein Zuhause bist kannst du mich immer anrufen..“ – ungefährer Wortlaut eines Ex

DAS ist mein bisheriger Kackscheisze-Favorit unter all dem, was ich schon so zuhören bekommen habe im Zusammenhang mit meinem Dasein als alleinerziehende Mutter. double parent. Es scheint da ja so eine Faszination bei manchen Menschen zu geben: Leute tätscheln mir ständig (verbal) den Kopf und bemerken, wie anstrengend das doch sein muss… als wäre ich ein ganz einsames, trauriges Wesen und es braucht auf jeden Fall mindestens einen Ritter in glänzender Rüstung, der sich meiner erbarmt und sich mit mir beschäftigt… ehhhhh… ich möchte das nicht. Es ist falsch und unehrlich.

Alleinerziehende Frauen* haben natürlich die sozialpolitische Arschkarte gezogen und es ist anstrengend und manchmal eine verdammt hohe psychische Belastung. Eins kann noch so viel Unterstützung haben, am Ende des Tages bin ich trotzdem immer die, die allein Verantwortung trägt, während sich der andere Elternteil oder der/ die neue(n) Partner_innen nur optional mit all den Sorgen und Ängsten beschäftigen muss und gleiches gilt auch für Freund_innen und Großeltern. Das Kind und ich allein werden bewertet für das Verhalten und die Leistungen des Kindes, denn die Regel ist: Gute Erziehung vs. schlechte: Kind benimmt sich nicht normkonform = unerzogen = überforderte Mutter. Die arme. Oder ähnliches. Eine alleinerziehende Mutter kämpft auf so vielen Ebenen und die Gesellschaft wartet nur darauf, dass sie scheitert. Der Kampf wird nicht anerkannt.

Überall und immer werden uns Steine in den Weg gelegt: Väter, die Verabredungen nicht einhalten, Unterhaltsvorschuss, der nur begrenzt bezahlt wird, fehlende Flexibiltät in Firmen, Unis und Schulen (Arbeitszeiten, Termine etc.), Freund_innen, die erwarten, dass eins abends in der Woche Zeit hat irgendwohin zukommen, politische und kulturelle Veranstaltungen die zu familienunfreundlichen Zeiten stattfinden, fehlende Kinderbetreuung auf selbigen, fehlender Schutz für Frauen* auf Demos …. plus der Alltag, irgendwas ist immer. *durchatmen* SELBSTVERSTÄNDLICH SIND WIR ÜBERFORDERT. ES IST UNSER RECHT ÜBERFORDERT ZU SEIN. UND WÜTEND. Weil ihr, alle die uns den Kopf tätschelt, uns immer noch nicht als eigenständig und selbstbestimmt anerkennt aber gleichzeitig erwartet, dass wir alles eigenständig regeln, weil ihr es zulasst, dass diese Steine da in unserem Weg liegen bleiben, sie selbst sogar platziert und uns dann kopftätschelnd dabei zuseht wie wir sie umgehen …und wenn wir mal stolpern fangt ihr uns nicht auf, ihr erklärt uns für gescheitert und wollt das wir uns einen Ritter suchen… das alles während ihr jeden einzelnen der neuen Väter abfeiert und über die Steine tragt. Also nein, ich will keinen Ritter, ich will euch nur manchmal mit den Steinen beschmeißen die ihr in den Weg legt und rufen: Make it fucking work!

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