Ich bin Hanna, 37 Jahre alt.

Mein erstes Kind wurde 2004 geboren, das zweite 2013.

Familie ist für mich vieles: einerseits die Familie, die ich mir als Kind gewünscht habe, andererseits die Trauer und Wut über Trennungen der Eltern von alten und neuen PartnerInnen, Abschiede. Geschwister.

Elternschaft ist das, was meine Eltern bei mir versucht haben und das was ich nun versuche, anders zu machen. Ich versuche, diese zwei Menschen zu begleiten.

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Vater ist mal mehr und mal weniger in unserem Leben. Schon mehr als meine (Stief-)Väter, aber da ist noch immer Raum nach oben. Er zahlt Unterhalt, sieht die Kinder regelmäßig. Er wohnt gleich um die Ecke, er springt auch mal ein. Allerdings eher spontan, langfristige Planungen, WE-Tauschaktionen, Ferien sind leider immer problematisch. Ich mag oft gar nicht fragen, wenn ich Hilfe brauche, weil ich auf die Kommentare, die Vorwürfe, die Belehrungen keine Lust habe.

Meine Mutter hat uns beim ersten Kind toll unterstützt. Leider ist sie kurz nach der Geburt des zweiten Kindes gestorben. Meine (Stief-) Väter kommen leider nicht als Hilfe infrage. Manchmal finanziell.

Finanziell sieht es nicht so gut aus, aber wir berappeln uns gerade wieder und kommen langsam von den Zuschüssen und Harz IV weg. Urlaube sind gerade nicht drin. Ich versuche, den Kindern dafür andere Dinge zu ermöglichen, Kurse, Hobbies…

Ein gewöhnlicher Wochentag sieht bei uns so aus: zwischen 5.00 und 6.00 Uhr wacht das jüngere Kind auf, ich stehe mit auf, bespaße, mache Frühstück, lasse den Hund raus. Um 6.30 Uhr wecke ich das Schulkind und wir frühstücken. Das jüngere Kind muss um 8.15 bei der Tagesmutter sein, das Schulkind in der Schule. Je nach Wochentag und Stundenplan essen wir Mittag zusammen oder nicht. Da ich beruflich Kinder hier bei mir betreue, sind wir dabei selten allein. Nach den Hausaufgaben hilft das Schulkind mir mit dem Hund und verschwindet danach bei Freunden oder vorm Rechner. Das jüngere Kind wird erst am Nachmittag abgeholt und dann gehen wir meistens raus in den Garten und machen da etwas. Leider fällt meist noch irgendwas an, wie ein Einkauf und dann ist auch schon Abendbrotzeit. Da sitzen wir dann mal als Familie zusammen. Ich bin dann leider oft schon sehr müde vom Tag und die beiden Kinder haben noch sehr viel Energie. Um 20.30 geht das jüngere Kind ins Bett und dann habe ich noch kurz Zeit, um mit dem Schulkind allein zu sein, Sachen zu besprechen, Orgakram.

Schwer fällt mir das täglich frühe Aufstehen. Ich nehme Medikamente, die müde machen, das macht es nicht einfacher. Die Kinder befinden sich beide in besonderen Phasen (Pubertät und Autonomiephase), das kostet auch Kraft. Das ständig schlechte Gewissen, weil wir uns Sachen nicht leisten können, oder weil ich mich für Dinge nicht ebenso begeistern konnte wie die Kinder, bzw, das Schulkind, weil ich abends doch direkt nach nur einer Runde eines Spiels schon müde bin oder beim gemeinsamen Film einfach einschlafe…

Allerdings ist es auch schön, wie wir es zu Dritt gut schaffen. Der Altersunterschied der Kinder macht auch vieles einfacher. Das Schulkind kann schon sehr selbständig sein.

Ich bin froh, hier ohne den Vater zu wohnen. Unseren Raum für uns so gut es geht zu gestalten, unser Essen zu kochen, unsere Fenster zu beschmieren…

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Empowernd sind FreundInnen in ähnlichen Situationen, auch virtuell. Ich lese unheimlich gerne von Anderen. Musik und die Aussicht auf kinderfreie Wochenenden. Die Aussicht auf mehr Gehalt, damit wir auch mal richtig Urlaub machen können.

Politisch und gesellschaftlich werden Mütter* meiner Meinung nach nicht richtig mitgedacht. Für das, was Mütter* so nebenbei reißen, bekommen Väter* haufenweise Lob und Anerkennung, Kekse, Orden…das stinkt gewaltig. Alles, was Mütter* machen, wird kritisch beäugt, kommentiert und häufig auch abgewertet. Finanziell stehen Mütter* einfach auch immer noch ein bisschen schlechter da als so mancher Vater*.

Es fehlt an Gerechtigkeit. Es fehlt an Unterstützung. Es fehlt an Sichtbarkeit.

Ich wünsche mir, dass der Kindsvater mehr da ist, mir hilft, wenn ich ausgebrannt bin. Es sind ja auch seine Kinder. Ich wünsche mir keine Bemerkungen zu meinen neuen Beziehungen, denn die haben eventuell gar nichts mit den Kindern zu tun. Ich wünsche mir FreundInnen, die zuhören und nicht stundenlang vom letzten fancy Restaurantbesuch erzählen. Ich wünsche mir, als Mutter* gesehen zu werden. Mit dem, was ich da täglich mache. Neben dem Beruf, neben dem Haushalt, dem Hund.

Ein gutes Familienkonzept wäre für mich, wenn die Kinder häufiger auch spontan zu ihrem Vater könnten. Wenn er den Platz dafür schaffen könnte, räumlich als auch zeitlich. Wenn mögliche PartnerInnen mithelfen (wobei mich das nach der letzten viel zu engen Beziehung eher noch abschreckt) oder noch lieber, wenn FreundInnen das Konzept Familie erweitern. Ich bin eine große Freundin von mehreren Bezugspersonen für Kinder.

Feminismus ist superwichtig, um mich und meinen Umgang mit den Kindern zu hinterfragen. Oder um aufzuzeigen, wo unsere Umwelt noch rückschrittlich tickt.

Die Leute, die mich empowern, kommen fast alle aus diesen linken und feministischen Kreisen. Wobei auch da noch viel Raum nach oben ist. Mich nervt enorm diese Abneigung Kindern gegenüber. Ihr sollt sie ja nicht toll finden, aber bitte respektieren. Ja, die sind schnell und laut und das ist nicht immer schön für Alle. Auch nicht für die Mütter*.

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#ohneVaeter ist eine Interviewreihe, mit  Eltern_Müttern* jeden Alters, die ihre Kinder (zum größten Teil) ohne Cis-Väter betreuen. Ausführliche Info zu meiner Motivation und wie ihr teilnehmen könnt findet ihr hier und hier.

Beitragsbilder © Hanna

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