Am Wochenende fand in Berlin die Jugendkonferenz zum Thema „Wie wollen wir gebildet werden?“ statt. Organisiert von der Black Diaspora School  wurden mit Theater, Vorträgen & Workshops Forderungen erarbeitet, die ich für unbedingt unterstützenswert halte & sie deshalb (natürlich mit Erlaubnis) hier teile.

Folgende Forderungen wurden erarbeitet (in Kürze)

1. INKLUSION
Wir fordern INKLUSION – ALLE jungen Menschen sollen ab dem Kindergarten und in der Schule zusammen sein.
Weil wir alle Teil dieser Gesellschaft sind, weil wir das Recht darauf haben.
Weil Segregation verboten ist und weil nicht wir das Problem sind, sondern das Versäumnis Schule so zu machen und so auszustatten, dass das funktionieren kann.
Es fehlt an Geld, Lehrer*innen, an Inhalten in deren Ausbildung. Es fehlt an Ausstattung, Toiletten für alle, Teilhabe. Gemeinsames Lernen fehlt.

2. SCHULGEBÄUDE
Wir fordern SCHULGEBÄUDE, in denen der Aufenthalt nicht krank macht und die stattdessen Lebensraum sind.
Wir fordern SCHULGEBÄUDE, die barrierefrei sind und in denen sich alle bewegen können. SCHULGEBÄUDE, die nicht und in denen nicht so viel kaputt ist.
Wir fordern Gebäude, in denen Inklusion möglich ist.
Der Geruch in den SCHULGEBÄUDEN sollte dort erträglich sein und niemand dort krank werden.
Man muss irgendwo in den Pausen sitzen, springen, laufen, sich zurückziehen können, sprechen, still sein können.
Die Räume müssen so sein, dass Licht hinein kommt und das Flüstern sich nicht wie Schreien anhört.

3. UNTERRICHT
Wir fordern UNTERRICHT, der ein gemeinsames Forschen ist; ein Weg. Frontaler Unterricht, der uns abfüllt, sollte sich beschränken.
Wir brauchen außerschulische Lernorte, Exkursionen und Reisen. Wir fordern, auch Lehrende zu sein. Alle lernen voneinander.
Es gibt Projekte, die länger als 3 Tage gehen und z.B. mehrere Fächer verbinden.
Wir fordern einen anderen Umgang mit Sprachen.
Wir fordern als Wissende wahrgenommen zu werden.
Wir fordern einen Unterricht, der den Globalen Norden und den Globalen Süden im Blick hat und der ALLE hört, sprechen lässt, machen, mitmachen, sie selbst sein und auch mal in Ruhe lässt.

4. ZENSUREN
Wir fordern ZENSUREN abzuschaffen. Eingangsprüfungen, die anonym sind und die die Gesellschaft repräsentierendes Wissen und Können erfragen, könnten ZENSUREN ersetzen.

5. BESCHWERDESTELLE
Wir fordern eine BESCHWERDESTELLE, die beim ABBAU von und dem SCHUTZ vor, während und nach Diskriminierungen ermöglicht.
Eine BESCHWERDESTELLE, die informiert, einen Bildungsauftrag hat und die unabhängig ist.
Wir fordern, eine BESCHWERDESTELLE, die unser Recht auf diskriminierungs- und barrierefreie Bildung verteidigt, sich für die Voraussetzungen dafür einsetzt, Entwicklungshilfe leistet und Gütesiegel für Schulen vergibt.
Wir brauchen die rechtlichen Grundlagen dafür.

6. LEHRER*INNENBILDUNG
Wir fordern eine LEHRER*INNENBILDUNG und –FORTBILDUNG, die die Menschen, die mit uns lernen, so vorbereitet und begleitet, dass sie die Anforderungen, die an sie gestellt werden, professionell und mit Freude mit uns gemeinsam erfüllen können.
Wir fordern, dass unsere LEHRER*INNEN diskriminierungskritisch gebildet werden und sind, dass sie unser Wissen und Können sichtbar sein lassen und sichtbarer machen können.
Wir fordern, dass unsere LEHRER*INNEN die Welt und ihre Perspektiven, Geschichten und unsere Gesellschaft nicht vor der Schule lassen, sondern die ganze Gesellschaft, unsere Lebenswelt und unsere Gegenwart, unsere Interessen zur Grundlage ihrer Arbeit machen.

7. SCHULMATERALIEN
Wir fordern, dass Schulmaterialien uns und unsere Lebenswelten repräsentieren. Wir fordern, dass wir alle zu sehen sind: beim Einkaufen, beim Reden, beim Tun, beim Geschichte machen als Entdecker*innen, Ärzt*innen, Handwerker*innen, als Expert*innen.
Wir fordern, nicht durch die Aufbereitung und Präsentation von Themen wie „Die Versklavung“, „Entdeckungen und Eroberungen“, die „Regenbogenfamilie“, „der Islam“, „Migration“, „Sexuelle Vielfalt“, „Leben mit Behinderungen“, usw.) zu Untersuchungsobjekten gemacht zu werden.
In den SCHULMATERIALIEN sind zum Beispiel in den Fremdsprachenbüchern Menschen, die handeln und sprechen, zu sehen; Menschen, die gebärden, sich im Rollstuhl fortbewegen, die besondere Fähigkeiten haben, die unterschiedliche oder keine Religionen haben, die unterschiedliche Menschen lieben, und viele mehr.

8. ESSEN
Wir fordern gutes, gesundes, schmeckendes und am besten kostenloses ESSEN. Die Gerichte sollten vielfältig sein, ebenso Obst, Gemüse und Getränkeangebot. Essensrichtlinien sollen geachtet werden.

9. (Ergänzende) FORDERUNGEN UNSERER GÄSTE
Lehrer*innen sollen uns nicht weh tun, nicht anschreien und uns nicht abwerten.

Wir brauchen Bewegung, Licht und Luft.

Hausaufgaben sind oft sinnlos und gehören nicht an Ganztagsschulen.

Fairness für alle und keine dauerhaften Beschuldigungen der gleichen Personen.

Wir brauchen nette und pünktliche Lehrer*innen, die auch Fehler zugeben können.

Deshalb brauchen wir alle (auch Lehrer*innen) mehr Freizeit und Pausen in der Schule.

Lehrer*innen sollten auch Respekt vor Schüler*innen haben.

Die Schule muss später beginnen, denn wir müssen wach und ausgeschlafen sein.

Schule muss nachhaltige Rassismus- und Diskriminierungskritik lernen.

Schule muss barrierefrei sein.

Der sogenannte Sexualkundeunterricht muss völlig überarbeitet werden und Heteronormativität gehört abgeschafft.

Das Bewertungssystem muss sich völlig ändern.

Wir brauchen andere Unterrichtsschwerpunkte.

Reproduktionen von Diskriminierungen dürfen nicht erlaubt sein.

Schule muss Spaß machen.

Für Menschen, die sich genauer mit dem Thema beschäftigen wollen empfehle ich auch einen Blick auf die Seiten des Berliner Netzwerks gegen Diskrminierung in Schule & Kita, der Inititative intersektionale Pädagogik und Rassismus im deutschen Bildungssystem (Facebook).

 

Share: