gestern war anstrengend. gestern hätte nicht anstrengend sein sollen. zumindest nicht so. aber die demo zum internationalen frauen*kampftag lässt mich mit gemischten gefühlen, vielen vielen fragen und sehr erschöpft zurück. anstrengend.

dabei hatte ich mich dieses jahr wirklich gefreut, war aufgeregt, hoffte auf ein empowerndes solidarisches erlebnis. vielleicht ein bißchen zu sehr, vielleicht war ich eingelullt von den vielen tollen gesprächen, die ich in den letzten wochen hatte – nicht, dass das etwas negatives sein sollte, aber manchmal vernebelt es den blick auf das was außerhalb der bubble passiert. gestern hat mich wieder wachgerüttelt.
und ich weiß nicht ob es eine vorahnung war, aber ich hatte schon den ganzen tag schwierigkeiten damit auszuformulieren was ich dachte, warum ich plötzlich so viel wert auf diesen einen tag legte. ich hatte das gefühl es wurde schon alles gesagt, von mir oder von anderen noch besser als ich es konnte und vor allem an allen anderen tagen des jahres. trotzdem malte ich vormittags fröhlich meine schilder und freute mich darauf die menschen zu treffen mit denen ich verabredet war.
im nachhinein ärgere ich mich über meinen fehler, nicht richtig abzuwägen bei welcher demo ich mitlaufen will. aus bequemlichkeit und weil ich dachte, dass wir uns ja sowieso alle an einem platz treffen, plus die hoffnung darauf sich dem flti* block oder einem der anderen intersektionalen blöcke anschließen zu können, entschied ich mich für die demo, die ich schon kannte, die vermeintlich populärere.
entsprechend voll wurde es auf dem versammlungsplatz und entsprechend schnell fiel das mobilnetz aus, was dazu führte, dass wir einen teil unserer geplanten gang gar nicht fanden. ich fühlte mich in meiner kleinen gruppe trotzdem sicher und wohl, während wir darauf warteten, dass es losging… was um uns herum passiere machte mich jedoch immer nervöser. als erstes sah ich die sex work gegner*innen, dann hörte ich die sehr lauten, sehr raum einnehmenden cis dudes und sah die cissexistischen und transfeindlichen schilder. ordner*innen, die eingriffen sah ich keine. dafür immer wieder abfällige blicke auf mein „the future is non-binary“ schild. ich wurde immer angespannter, wollte aber die hoffnung nicht aufgeben. bis wir jedoch endlich losliefen und einen block in der demo gefunden hatten, in dem es einigermaßen safe war, war meine energie schon so aufgebraucht, dass ich wusste ich schaffe es nicht die ganze strecke mitzulaufen. die diskrminierenden schilder sah ich bis zum schluss immer wieder mal in der menge und bis zum schluss musste der lauti regelmäßig cis männer aus dem flti* block verweisen… anstrengend.
tatsächlich konnte ich erst als hinter uns pyro gezündet wurde und die gerufenen slogans inklusiver wurden langsam wieder durchatmen und noch ein wenig die gesellschaft der lieben menschen um mich herum genießen bis ich ging. seit dem rattert es in meinem kopf.

ich war zwar beeindruckt von der menge an menschen, die mit uns demonstrierten aber mindestens genauso wütend auf die dort produzierten ausschlüße, auf die oberflächlichkeit und meiner eigenen handlungsunfähigkeit.
selbst während ich schreibe versuche ich noch zu verstehen was da passiert ist und warum ich so geschockt bin, von dingen, die ich eigentlich weiß. ich weiß doch von den terfs und swerfs und den white feminists und ich weiß, dass wir nicht alle das gleiche ziel verfolgen, nie verfolgt haben. langsam dämmert mir aber, dass der grund auch mein privileg als weiße, hetero passing, cis frau ist, die nie direkt betroffen ist von diesen ausschlüssen, die sie einfach ausblenden kann und die sie – auch immer noch nicht & niemals selbst betroffen – gestern dann in voller ladung mitbekommen hat. eine erinnerung daran, dass ich und wir, die gerne allies wären, besser aufpassen müssen, besonders jetzt wo die breite masse feminismus (wieder) stärker wahrzunehmen scheint, wir uns nicht unreflektiert mitreissen lassen sollten.

– vielleicht heißt es auch, dass wir interessierte menschen besser abholen und aufklären müssen. wie das funktionieren kann ohne uns regelmäßig in ein aktivistische burnout zu katapultieren weiß ich noch nicht genau. aber in den letzten wochen wuchs die idee in mir zurück zu gehen zu den wurzeln und ähnlich der consciousness-raising groups, die bell hooks in „feminism is for everybody“ beschreibt,  uns gegenseitig und neue verbündete in kleinem rahmen, mit kleinen veranstaltungen und ggf leichter sprache  zu stärken, informieren und unterstützen.. –

alles in allem bleiben für mich nach gestern viele fragen offen, eines ist aber wieder sicher: feminismus ist und bleibt ein prozess, der immer wieder reflektiert und neu sortiert werden muss, das kann nur geschehen wenn er offen ist und raum bietet für menschen, die von mehrfach-diskriminierung betroffen sind, für lgbtqia+, behinderte, schwarze menschen, menschen of colour etc. wir alle haben noch einen langen weg vor uns und aufgeben ist keine option. fight the cistem! the future is non-binary!

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