Gestern Abend war ich bei einem feministischen Panel der Rosa-Luxemburg-Stiftung bei dem irgendwann die Frage aufkam welche Strategien wir nutzen können um unsere Kämpfe voranzubringen und die Aufmerksamkeit, die Feminismus im Moment auch im Mainstream erhält zu nutzen. Während auf dem Podium einige Stimmen fehlten – queer, trans*, non-black PoC etc. – fiel mir im Laufe des Gespräches noch ein weiterer Aspekt auf, über den viel zu wenig gesprochen wird und auf den auch bei dieser Diskussion nicht genügend eingegangen wurde: Wie schaffen wir es Kinder mit in unsere Prozesse und unseren Aktivismus einzubinden?

„We are not born feminists.“

Klick machte es bei mir als Natasha A. Kelly, sehr richtig feststellte, dass wir nicht als Feminist*innen geboren werden. Auf Anmerkung meinerseits wurde außerdem kurz angerissen, dass die Strukturen im Bildungssystem (und letztendlich allen anderen Bereichen auch) vor allem hier in Deutschland kaum Auseinandersetzung mit Diskriminierungen & Intersektionalität zulassen. Trotzdem ging mir das alles nicht weit genug & auch die nicht-Reaktion des Publikums zeigte, dass die Wichtigkeit dieses Themas unterschätzt wird.

“it takes a village to change the village that raises a child.”
schreibt Lisa Factora-Borchers in ihrem Artikel über feministische Mutterschaft und mein Herz wird geflutet von Gefühlen.

Die Bildung von Kindern scheint immer noch als private Aufgabe von vor allem Müttern*, bzw. frauisierten Elter* zu gelten. Auch in feministischen Kreisen wird emotional labour oft nicht weiter gedacht als bis zum Mann, der auch Haushalt & Care Arbeit übernehmen sollte. Zwar wird immer wieder mal angerissen wie wichtig es ist das Kinder entsprechende feministische Grundsätze lernen oder das LGBTQI Kids unterstützt & beschützt werde aber wie das passiert & wo die Materialien & Kapazitäten herkommen wird den Elter*n überlassen. Wer das nicht schafft ist selbst schuld.
Nun gibt es natürlich Vereine wie pinkstinks, die sich mit der Vermarktung von Spielzeug & anderen Sexismen in der Werbung und den Medien auseinandersetzen oder Verbände, die mehr Unterstützung für Alleinerziehende fordern, aber auch diese sprechen vor allem Elter*n an und sind idR nicht intersektional genug und sehr beschränkt in ihren Ansichten.
Gleiches gilt für Kritik an Bildungsinstitutionen: diese findet zwar teilweise statt aber Überlegungen zu Strategien wie wir die Zustände als Gemeinschaft ändern können werden selten außerhalb von Elter*ngruppen ernst genommen. und ganz allgemein wird das Schulsystem zu wenig in Frage gestellt. Das Motto: Ja ja Schule war schlimm aber ich habe es ja auch überlebt.
Man nickt betroffen und widmet sich dann wieder anderen Themen. Das Dorf zieht sich zurück, Elter*n stehen alleine da.

kritisches Erwachsensein und Adultismus

und das ist noch nicht der schlimmste Fall. Im schlimmsten Fall müssen wir uns nämlich mit Kinder- und Familienfeindlichkeit in den eigenen Kreisen auseinandersetzen:

(*draufklicken um mehr zu lesen)

Diese ist nicht immer leicht zu fassen, manchmal ganz subtil, manchmal nur ein komischer Satz, aber sie signalisiert uns Erwachsenen, die Kinder betreuen und mit ihnen leben, dass wir alleine kämpfen und ich frage mich warum. Denn so schwer ist es nicht.
Veranstaltungen müssen mehr bieten als nur Betreuung. Räume müssen sich öffnen. Kinder und ihre Wünsche und Bedürfnisse pro-aktiv mitgedacht werden.

Es wird manchmal über Kinder gesprochen, Kinder werden aber selten angesprochen und noch seltener wird mit ihnen gesprochen, geschweige denn ihnen zugehört. Wenn es Angebote gibt, richten diese sich meistens an Teenager. Als könnte man erst ab einem bestimmten Alter begreifen was Diskriminierung bedeutet. Dabei sind schon die jüngsten von selbigen betroffen. und das wissen wir, weil wir selbst mal Kinder waren. Warum also beziehen wir sie in die Prozesse nicht ein? Warum schützen wir sie nicht besser und warum sprechen wir nicht auch sie an; sensibilisieren, informieren und vor allem stärken sie? Wir denken so viel über Sprache und Ansprache nach, warum dann nicht auch über eine die kindgerecht ist?

Wenn wir das Cistem zerschmettern, sollten wir vielleicht unsere Kinder an die Hand nehmen und mit den Bildungsinstitutionen anfangen?

Ja, Kinder müssen und machen ihre eigenen Erfahrungen aber warum sollen sie es genauso schwer haben wie wir es einmal hatten oder immer noch haben? Die Kämpfe führen wir doch sowieso schon und wir können unser Wissen nutzen um Kindern rechtzeitig unter die Arme zu greifen und es an sie weitergeben. Und um gemeinsam Alternativen aufzubauen und anzubieten. So wie wir es uns für unsere eigene Kindheit gewünscht hätten.

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