Morgens früh kurz nach dem Aufwachen, geht mein Kopf immer die Aufgaben des Tages durch. Heute steht an die erneute Forderung nach Unterlagen vom Wohnungsamt zu beantworten. Mein Kopf fing an ein Schreiben zu formulieren. Daraus wurde etwas kleines Größeres, dass ich der Sachbearbeiterin so nicht schicken kann. Also teile ich es hier. Letztendlich ist auch das nur die halbe Wahrheit und geht nicht groß darauf ein was ich tatsächlich denke über den Kapitalismus und Arbeit und die sozialen Zustände, wie z.B. die konstante Benachteiligung von Alleinerziehenden, in diesem Land aber es ist vielleicht ein Anfang. Frau Sachbearbeiterin,

Sie sagen ich hätte weiterhin nicht ausreichend erklärt wie ich meinen Lebensunterhalt bestreite. Was soll ich sagen? Ich kann nicht mehr erklären, als das was ich schon beim letzten Mal geschrieben habe. Es mag für Sie überraschend sein – Sie haben ja am Telefon schon gezeigt, dass sie wenig Verständnis haben für Menschen in meiner Situation („Nur weil der Vater keinen Unterhalt zahlt“, sagten Sie u.a.)  – aber es geht irgendwie. Nicht besonders gut, Sie haben die Kontoauszüge ja gesehen, aber was bleibt mir anderes übrig, wenn Menschen wie sie am längeren Hebel sitzen & sich persönlich angegriffen fühlen von Tatsachenbeschreibungen (Ich gebe meinem Vater Recht: Die Sozialverwaltung ist träge und unfähig.)  & darum lieber noch mehr Steine in den Weg legen. Aber ich bin mir sicher sie machen nur ihren Job.

Ich bekomme übrigens im Juli 3000€ Unterhaltsvorschuss nachgezahlt. Das sind 3000€, die mir seit Juli 2017 gesetzlich zustehen aber das ganze letzte Jahr gefehlt haben. Ich weiß nicht ob Sie sich das vorstellen können aber als Alleinerziehende Studentin mit Lohnarbeit – und auch als Arbeitslose – sitzt man garantiert nicht zuhause und tut nichts außer auf das Geld vom Amt zu warten, genauso wenig wie man auf einem versteckten Berg Geld sitzt und sich aus Spaß von Ihnen und Ihren Kolleg*innen schikanieren lässt. Man schiebt Rechnungen, sammelt Schulden & macht weiter. Kümmert sich um die Bedürfnisse vom Kind, erledigt den Haushalt, arbeitet an privaten Projekten. Wenn man Kraft hat beantwortet man Ihre Schreiben, sucht mehr Unterlagen zusammen, füllt noch ein Formular aus & hofft, dass die nächste Bewerbung für den unbefristeten Vollzeit Job ein Erfolg wird, damit man Sie nie wieder anschreiben muss. Oder man wird von Burn Out, Angst & Depression eingeholt, überrollt & bricht zusammen & muss dann wieder bei Null anfangen.

In diesem Sinne: Anbei finden Sie alle noch geforderten Unterlagen.

MfG

P.S. Danke auch für die Datenschutzerklärung. Ich habe sehr gelacht.

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